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Das Forum bietet Raum für Ansichten und Einsichten. Hier werden Beiträge veröffentlicht, die Lebensprozesse anregen und Bewusstseinsentwicklung fördern. Jede/r ist herzlich eingeladen,  Gedanken, Intuitionen und Inspirationen hier mit anderen zu teilen. 

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Gedanken von Monika Coenen nach dem Seminar "Geomantie und Bewusstseinsentwicklung", 17.7.2010

 

„Ich habe es empfunden, wie eine Art Bogen“, lautete der Versuch einer Beschreibung, nachdem wir von der Heilarbeit aus dem kleinen Wäldchen unweit von Marys Idylle zurückkamen. Was da beschrieben werden wollte, war das Empfinden, das sich während der gedanklich bereits erfolgreich vollzogenen Verbindung zur großen Gruppe einstellte, die dort parallel zu uns im Sinne einer Heilung dieses Ortes wirkte.

Anita und Jutta sprachen beide von der Wahrnehmung etwa eines sich ausdehnenden Balls, als sie uns das empfundene Energetische vermitteln wollten. Das zusammengefasst lässt an einen Kometen denken, ausgehend jeweils von einer Gruppe.

Über meine Formulierung „Bogen“ hatte ich nachzudenken. „Ich habe es empfunden, wie…“ Aber irgendwie war es auch als Bild sichtbar gewesen, sehr klar, sehr deutlich: hell, fast strahlend weiß, aus Licht vielleicht: ein Lichtbogen. Nur war dieses „Bild“ nirgends zu sehen. Jedenfalls nicht mit den Augen unter Beteiligung des Sehnervs, der Weiterleitung zwecks Bewertung und Einordnung an das Gehirn und anschließendem Briefing des Bewusstseins. Und doch war es da, so real wie ich hier schreibe.

Was ist das aber nun? Eine Emotion? Eine Wahrnehmung durch „übersinnliche“ Kanäle? Ins Anschauliche übersetztes Denken? Wie lässt es sich beschreiben, für den Laien, der ich einer bin?

Wie Wolken am Himmel vielleicht. Tagtäglich meistens ziehen sie ihres Weges über uns hinweg. Dem Blick hinauf folgt die Bewertung: Wird es Regen geben? Oder sind es sommerliche Wattebäusche, die einen ungetrübten Tag versprechen? Kommen Blitz und Donner, ein Unwetter gar? Doch überwiegend sind sie einfach nur da. Wir können sie nicht greifen und wollen das auch gar nicht. Stattdessen hören oder lesen wir den Wetterbericht. Das, was wir mit ein bisschen Übung in alltagstaugliches Wissen verwandeln könnten, lassen wir uns von anderen sagen und machen uns weiter keine Gedanken darum.

Könnte es so auch mit Phänomenen wie „Lichtbögen“ sein? Ich bin davon überzeugt, wäre nicht durch die konkrete Übung das Bewusstsein gezielt dorthin gelenkt worden, ich hätte es nicht wahrgenommen. Wie oft mag es im Alltag geschehen, dass ein „Lichtbogen“ - den ich hier als Synonym verwenden möchte für Phänomene, die nur deshalb nicht zu existieren scheinen, weil sie nicht in den Fokus genommen werden- nicht wahrgenommen wird? Wie viele „Lichtbögen“ über“sehe“ ich Tag für Tag, die mir Aufschluss oder Hilfestellung geben könnten, bei den großen und kleinen Entscheidungen, die ständig zu fällen sind, bei der Konstruktion meines Weltverständnisses oder der Suche nach Ausdruck für vages Empfinden, wofür mir die Worte fehlen?

Worte! Alle Worte die ich kenne, sind schon mit den verschiedensten Bedeutungen besetzt. Das sagte auch Jutta, als sie uns von dem Geomantie-Symposium erzählte. Aber das wusste ich auch schon, habe es schon zig Mal gehört und gelesen. Nur -gelobt sei der Zusammenhang- ist mir jetzt erst richtig klar geworden, was das wirklich für mich persönlich ganz konkret bedeutet! Da ist eine Suche, die sich schon seit Jahren hinzieht, die Suche nach der Möglichkeit zum Ausdruck, der Vermittlung meiner zutiefst subjektiven Empfindungen.

„Wie produziere ich menschlichen Honig?“, eine Frage aus dem Seminar. Ja, was ist das denn? Na, wunderbar! da kann ich mir viel bei denken und übertrage es in Worte. Denke nach,  analysiere, wie machen es die Bienen? Sie nehmen, wandeln um und geben ab. Sie tun es, weil es ihre Natur ist, nicht weil sie darüber nachgedacht hätten. Ich bastele mir eine Antwort zusammen und erkläre. Dabei umschiffe ich, dass etwas tief in mir drinnen, dumpf als „na ja“, oder „vielleicht könnte“ sich artikulieren möchte. Es ist mir zu vertraut geworden, zu oft ist es anwesend, viel zu oft und viel zu lange schon und zu leise geworden, als dass ich dem noch nachgehen möchte. In diese heitere, fast spielerisch leichte Stimmung des Miteinanders im Üben, passt nichts Dumpfes als unartikulierbarer Kloß, an dem ich mich doch bereits unzählige Male erfolglos versucht und mir dabei etliche Zähne ausgebissen habe. Mit meiner Antwort gebe ich mich jedoch zufrieden, bin es aber gar nicht. Aber auch an die Begleitung von Unbehagen habe ich mich gewöhnt. Zeitweise jedoch, für verzweifelte Momente, treibt es mich in eine Resignation, die mehr und mehr Verstummen lässt, die den hin und wieder doch noch jäh aufflammenden, brachialen Willen, diesem Kloß trotz aller Widrigkeiten ins Leben zu verhelfen, bricht.

Den Wandlungsprozess durch die Bienen in diesen Kontext, in dem es um Geomantie und Bewusstseinsschulung geht, übertragen, kann ich auch mal den Blütenstaub von seiner Stofflichkeit lösen, auch von den Gedanken, die doch Worte sind, deren Definition und Bedeutung ich mir vorgeben lasse, und die ich bemüht bin, auf die Innenwelt zu übertragen.

Wo bleibt da mein Lichtbogen, wo das Bild, die Ahnung?  Ich weiß es schon lange, dass Worte unzulänglich geworden sind. Der Fehler war, der mich so unglücklich machte, es mir als persönliche Unzulänglichkeit anzukreiden. Als Unvermögen, tief Empfundenes in eine wörtliche Entsprechung umzuwandeln. Es ist aber nicht das Wort an sich, das wie der Finger zum Mond ein Werkzeug, ein Vermittler ist, sondern der Begriff, der außerhalb seiner festgeschriebenen Bedeutungen keinen Spielraum lässt.  

Der dumpfe Kloß drückt plötzlich weniger, bricht auf - ich hoffe sehr, nicht nur für diesen Augenblick- und es purzelt Bild um Bild daraus hervor. Nun brauch ich nur den Pinsel nehmen, meiner sind die Tasten, und mit dem Malen zu beginnen. Man dürfe keinen Tag vorübergehen lassen, ohne einen Pinselstrich zu tun, pflege der griechische Maler Apelles, zu sagen. Für den, der mit dem Pinsel leider nicht umzugehen weiß und dessen Strich daher aus aneinander gereihten Zeichen bestehen muss, gilt die Fortführung Apelles’ Satz durch die Aufforderung Plinius des Jüngeren: „Nulla dies sine linea.“ (Kein Tag ohne Zeile!)  Dann wird das schon!

Diesbezüglich freue ich mich nun mächtig auf die Aussicht, mich mit einem ganz neuen Verständnis in einer kreativen Ausdrucksform üben zu können und mich damit vielleicht sogar von einer schweren Last  zu befreien. Das ist, neben allerlei anderen, ein ganz persönlicher Gewinn aus diesem anregenden Seminar.

Ehre dem Lehrer!

 _()_ 


Gedicht von Maria Wolff inspiriert vom Jahresfest "Frühjahrs-Tagundnachtgleiche", 21.März 2010

Frühlingsfeuer – Frühlingsfeier - Frühlingsfreude

Asche

Wald und Matsche

Regen

 

Licht

Gemeinschaft, Essen

Segen

 

Altes lassen,

Neues wagen

 

Harmonie

im Herzen

tragen


Gedicht von Maria Grommes, 28. Februar 2009

Vogelbitte an den Frühling
 
 Warte, Frühling, sei leise, sei leiser
           noch lehnt der Winter am Zaun.
Unser Flöten und Singen ist heiser,
           wir können ihm noch nicht traun.
 
Du Hüter der Farben und Düfte,
           du Spender der linden Lüfte,
           noch ist es nicht soweit.
 
Wir üben, wir singen tagtäglich,
            rupfen, zupfen und putzen
            auch unser Federkleid.
 
Da ist sie, die Frühlingssonne,
            da bricht ein Blühen auf.
Wir Vögel, wir großen und kleinen
             jubilieren, tirilieren, flöten zuhauf.
 
Sonne, Blumen, blühende Bäume
            und unser vielstimmiger Gesang,
            bereiten dir, Frühling, du munterer Knabe,
            einen berauschenden Empfang.

 


Gedanken von Maria Grommes, 8. Februar 2009    

Leben im Vorübergehen

Die zarten Blatt- und Blütenspitzen der Schneeglöckchen und Krokusse,
die ersten Haselkätzchen
streift dein Blick nur im Vorübergehen.
                                          
Sonnenauf- und Sonnenuntergang,
Vollmond, Sternenhimmel
entlocken dir kein Staunen,
nur ein flüchtiges "schön" im Vorübergehen.
 
Kinderlachen - ohne Nachhall in deiner Seele
aufgeschnappt im Vorübergehen.
  
Menschliche Begegnungen ohne Spuren,
man kannte sich nur im Vorübergehen.
 
Begegnung mit dir selbst ............
 .. nur im Vorübergehen?
                                          
Da zwingt das Schicksal dich zum Innehalten ....
und du erwachst Schritt für Schritt
zum Leben im HIER und JETZT !

 


Gedicht von Maria Grommes, 28.Januar 2009


Gedicht von Maria Grommes, 13. Januar 2009     Photo Hartmut Höllein      

Zeit
 
 
                   Zeit
 
 
                                        Zeit
 
 
                                                             Zeit
 
 
                                                                                     Zeit  
 
 
                                                                                                              Zeit  

  

Zeitgeist            Zeitdruck            vergeudete Zeit            Zeitraffer            Zeitlupe            Zeitenwende          Zeichen der Zeit            Zeitpunkt            Zeit "in den Griff kriegen"          Zeit heilt           Zeitvertrag         Freizeit         Arbeitszeit             Narrenzeit          Fastenzeit         Lebenszeit
       
 
 Eines Menschen Zeit.............
  
Zeit ist wie ein Fluss, der immer vorwärts strebt,
 
Zeit ist wie Sand, den der Wind verweht.
 
Ich kann Zeit nicht fassen, ich kann Zeit nur lassen
 
und münden wie sie in zeitlose Ewigkeit.

 


Zusendung von Johannes Deventer, Rinkerode im Januar 2009 

Dieser Beitrag von Herrn Timo Kunze beschreibt eines der Hauptthemen und Hauptanliegen der Geomantie, insbesondere des Bereichs "Geomantie und Landwirtschaft".

DIE  ALTE  KRAFT  DES  BODENS

UND

DIE  BESEELTHEIT  MAGISCHER  ORTE

von Timo Kuntze, Dresden

 

Ein Spielplatz ist für Kinder der Ort, wo sie in ihrer kleinen bunten Welt ungezwungen und naiv sich entfalten. So etwas braucht eigentlich jeder, um sich einmal richtig, aus ganzem Herzen zu freuen und glücklich zu sein. Es muss solche geheimnisvollen Plätze geben, um die sich Mythen und Märchen ranken, und wo Engel, Elfen und Geister eine Heimstatt finden. Magische Orte, die nicht aufgeräumt und kontrolliert werden, die niemandem gehören und die auch nicht ökonomisch (aus-)genutzt werden. Die einfach noch ihre Ursprünglichkeit bewahrten und die der wirtschaftliche Extremismus nicht entzau­bert hat. Dort können wir noch das finden, was uns über die tägliche Jagd nach Geld und Geltung erhebt. Etwas, das uns ehrfürchtig erschaudern lässt, aber gleichzeitig Geborgenheit ausstrahlt. Hier eröffnet die Stille die Möglichkeit, in sich zu gehen, sich zu be-Sinn-en und ungestört das Nötige zu (v)errichten. Es bedarf auch der Geduld, die die Zeit gibt, um dem Werk die Dauerhaftigkeit zu verleihen.

Aus Stille und Geduld erwuchs auch die Alte Kraft des Bodens. Sie ist eine innere Kraft, nachhal­tig und beständig. Sie beruht auf dem Kreislauf der organischen Substanz und dem regulierenden Dauerhumus. Sie bildet um sich ein Kraftfeld aus. Das erkennt man an seinen Auswirkungen - also daran, wie sich die Lebewesen darin entwickeln.

An solchen Stätten kann man noch sorglos verweilen und träumen. Im Traum öffnet sich unsere Seele. Sie ist Urgrund wie der Humus für den Boden - durch sie sind wir fest verwurzelt.  [...]

Heutige humusarme und strukturlose Äcker erodieren wie die Menschen, die jeder bezahlten Beschäfti­gung hinterher laufen. Wenn Arbeit zum Geschäft verkommt, wandelt sich ihr Segen zum Fluch. Der mo­derne Mensch verfügt über einen nie da gewesenen hohen materiellen Lebensstandard, für den er alles andere preisgibt und einen künftigen genetischen Verfall in Kauf nimmt. Vergleichsweise gigantisch neh­men sich die landwirtschaftlichen Erträge aus, obwohl sich Nutzfläche wie Personaleinsatz ständig ver­ringern. Dabei sind wir eigentlich unfähig, uns ohne die globale Freihandelsdiktatur bzw. der Öl- und Chemieindustrie selbst zu ernähren. Die westliche Gesellschaft ist lebensuntüchtig. Sie muss und wird wie etliche vorangegangene Zivilisationen, welche auch die Bodenhaftung einbüßten, zerfallen.

Der Boden birgt etwas Heiliges, Heilbringendes. Niemals darf die Verbindung mit ihm abreißen. Seine Energie überträgt sich nicht nur in Form gesunder Nahrung, sondern ordnet und richtet unser Gemüt auf das Wesen-tliche aus. Dazu sollte man die Erde oft und unmittelbar spüren, pflegen und lieben. So verschließt sie sich nicht, bleibt einem vertraut als Teil seiner selbst. Die Alte Kraft und die Beseeltheit ih­rer Umgebung lassen sich nicht einfach nachahmen oder wiedergewinnen, indem man einige staatlich ausgewiesene Naturschutz-Gebiete sich selbst überlässt und teilweise subventionierten Öko-Landbau be­treibt. Materielles lässt sich (nach-) machen, das Seelische muss sich von innen entfalten, darauf kommt es an. Wie aus dem Samenkorn eine schöne Blume sprießt, eine nahrhafte Frucht reift oder sich ein gewaltiger Baum aufbaut- allemal ein Wunder.

Jeder mag es auf seine eigene Art empfinden. Entscheidend ist jedoch, dass man dabei überhaupt etwas fühlt. Dann können wir nachvollziehen, dass einst vor dem Holunder grüßend der Hut gezogen, ein Ernterest auf den Feldern zurückgelassen oder sich bei den Tieren entschuldigt wurde, die man für das eigene Überleben schlachten musste.

Es geht nicht darum, nun unbedingt mit Engeln in Verbindung zu treten oder jede Scholle zu mystifizie­ren. Damit würden wir einen scheinheiligen Kult betreiben, wie das prinzipiell alle Religionen handhaben. Darum wird hier bewusst darauf verzichtet, irgendeine Methode zu empfehlen. Es bedarf nicht unbedingt des Studiums der entsprechenden Literatur und Veröffentlichungen darüber. Dies würde in seiner Vielfalt und Widersprüchlichkeit eher verwirren und uns nur auf spezialisierte Randthemen ablenken.

Wer sich hingegen beim Umgang mit dem lebendigen Boden vom eigenen Gefühl leiten lässt, tut wohl instinktiv das gerade Angemessene. Genau so, wie man trinkt, wenn man Durst hat, und schläft, wenn man müde ist. Der besondere Boden und Ort, zu denen man eine Bindung aufbaut, stellen, wie je­der Einzelne selbst, etwas ganz Eigenes, Unverwechselbares dar. Um das zu verinnerlichen und harmonisch aufeinander abzustimmen, bedarf es der ständigen Bereitschaft, offen zu sein und immer noch etwas dazulernen zu wollen. Ratschläge sollten vordergründig persönlicher Art sein, also von Menschen stammen, die man gut kennt, und die ihrerseits über praktische Erfahrungen mit dem Boden verfügen.

Fehler und Irrtümerlassen sich nie vermeiden, aber meistens korrigieren. Die Grundhaltung stellt das ja nicht in Frage. Beispielsweise würde ich heute nicht mehr das Zerschneiden der Nacktschnecken emp­fehlen, weil ich mich dabei schlecht fühle und der Schneckenplage so nicht begegnen kann. Auch ver­wende ich kein abgetrocknetes Gras mehr zum Mulchen, da es leicht verfilzt und den Regen ziemlich ab­weist. Stattdessen nehme ich dafür Brennesselkraut und Stroh. Letzteres isoliert durch seine hohlen und hellen, Wärme reflektierenden Stängel, ohne das Versickern der Niederschläge ernsthaft zu behindern.

Zusammenfassend gesagt sollten wir alles uns Umgebende so achten und behandeln wie uns selbst. Dementsprechend können wir der Muttererde einen Teil ihrer Kraft zurückerstatten, die sie uns für das ganze Leben geschenkt hat.

 


Gedicht von Maria Grommes, 8.Januar 2009

Sonntagmorgenimpression im Winter

Sonne scheint fahl

durch die Bäume

 

Zweige, schneebedeckt

Wie steif gefrorene Finger

in den Himmel gereckt

 

Schnee, noch spurlos

Stille zu hören, zu fühlen


Beitrag von Angelika Kötter, Mai 2007

Fahrradpilgern auf dem Jakobsweg von Paderborn nach Unna

In diesem Jahr wollte ich, 40, Mutter von zwei kleinen Kindern endlich mal wieder etwas ganz alleine machen. So kam es, dass ich mich zu dieser 3-tägigen Fahrradpilgerreise anmeldete. Unbedarft und ohne Erwartungen kam ich an Christi Himmelfahrt in Paderborn an. Gleich am Bahnhof war der Treffpunkt und ich lernte neben Jutta Watzlawik die anderen Reisegefährten kennen. Sofort ging es los in die Stadt zum Dom, zu einer der vielen Pader-Quellen. Hier dann der erste Stop – die Reise fing an. Wir hörten das Wasser und lauschten auf Juttas Worte, die uns mit jedem Wort tiefer und tiefer in die Vergangenheit führte. Kirchengeschichte ebenso wie Landesgeschichte wurden wie ein buntes Bild vor meinem Inneren Auge ausgebreitet. Wir sind auf dem ganzen Gelände des Domes umhergewandert und waren auch im Dom. Jutta hat hier auf viele kleine und große Dinge aufmerksam gemacht. Wir wurden im wahrsten Sinne des Wortes „geführt“, hier und dort Energien zu spüren und oh Wunder, der eine spürte nichts, der andere was anderes als der Nachbar. So konnte ich lernen, ja, jeder Mensch spürt etwas, wenn es auch nicht immer identisch ist mit meinem Fühlen. Das war meine erste Erkenntnis auf dem Jakobsweg. Nach dem Verlassen der Stadt radelten wir durch Wiesen und Felder und Jutta, eine begnadete Historikerin, hatte zu jeder kleinen Kapelle oder Kirche die passende Geschichte dabei. Hier und dort hielten wir, um die Energien der Natur auf uns wirken zu lassen. Geschichte mit allen Sinnen wahrnehmen, die Weite der Landschaft, der Duft der Pflanzen, Geräusche der Fauna, Wind auf der Haut, der würzige Geschmack von Wegeskräutern auf der Zunge. Für mich alles ein echtes Erleben, mich selber Erleben, Spüren, „ Ich Lebe“. So ging die Fahrt weiter von Geseke über Bad Lippstadt – Soest – Werl – Unna, um nur einige der Orte zu nennen, die ich auf meiner Reise erspüren durfte. Kurz vor Unna waren wir uns alle einig, nächstes Jahr gleiche Zeit ab Unna geht es weiter auf dem Jakobsweg.

Als ich in Unna in den Zug stieg hatte ich das Gefühl, Wochen unterwegs gewesen zu sein, so viel hatte ich erlebt. Selbst heute noch, Tage später, spiegelt mir das Bewusstsein Bilder und Ereignisse wider. Ich bin ganz erfüllt und freue mich schon weiter zu pilgern.


 

Zeichnung von Sonja Luft nach dem Tagesseminar "Der geheime Weg zu den Externsteinen" im Juni 2006

 


Beitrag von Sabine Grimm, zum Thema "Vollmondspaziergang im Wildpark Schloss Cappenberg". 

Juni 2006.

Eine Vollmondnacht 

Event am 12.05.2006

 Vollmondspaziergang im Wildpark Cappenberg mit Picknick zur Geisterstunde am Fuße des Cappenberger Schlosses mit Blick auf den Rosengarten unter dem Himmel über Cappenberg. 

… Und der Vollmond begleitete uns leuchtend dabei. 

Ich hatte eine Einladung von Jutta Watzlawik, Diplom-Agraringenieurin (FH) · Theaterpädagogin · Indologin (M.A.), zum Vollmondspaziergang am 12.05.2006 erhalten. Ich war schon sehr gespannt und habe mich darauf gefreut. 

Wie es so oft im Leben vorkommt, hatte sich der Tagesverlauf an diesem betreffenden Tag, ohne mich zu fragen, verselbständigt. Und so kam es, dass ich der Zeit hinterher rannte und mich um 20.30 Uhr noch  in Dortmund- Derne bei der Bearbeitung eines neuen, gemeinsamen Projektes mit Baeredel aufhielt. 

Eigentlich glaubte ich nicht, dass ich es noch schaffen würde, pünktlich um 21.00 Uhr am Treffpunkt „Eingang Wildpark Cappenberg“ einzutreffen. Das Gesetz von Zeit und Geschwindigkeit würden das nicht zulassen, da war ich mir sicher.  

Aber ich habe mich trotzdem auf den Weg gemacht.  

Nachdem der Tag sehr heiß gewesen war, begann es plötzlich zu regnen. Ich hatte es aufgrund meines Zeitdefizits nicht geschafft, mich auf den Spaziergang vorzubereiten. Gerne hätte ich mir sportliche Kleidung angezogen, jedoch reichte die Zeit hierfür nicht mehr aus,  geschweige denn an Regenkleidung zu denken. Und weil im Kofferraum kein Kleiderschrank ist,  überlegte ich kurz, ob ich das Risiko wirklich eingehen wollte, vielleicht bei einem Guss klatschnass zu werden, oder ob ich, unvorbereitet, wie ich war, doch besser heimfahren sollte. 

Ich entschied mich allerdings dann dafür, die Verabredung einzuhalten, und so fuhr ich in meinem schicken „Sommeroutfit“, Sommerkleid und Sandalen mit hohen Keilabsätzen, vortrefflicher Weise zum dortigen Treffpunkt. 

Genau fünf Minuten kam ich zu spät, hatte jedoch das Glück, dass Jutta Watzlawik mit ihrer Gruppe noch gewartet hatte. 

Ja, und um zehn nach neun gingen wir dann in den Wildpark hinein. Hinter uns wurde das Tor von dem Falkner des Wildparks von außen verschlossen, und so waren wir allein im Wildpark Cappenberg. 

Es war der Beginn der Dämmerung. Es gelang mir jedoch, noch ein paar Fotos mit meinem Handy zu machen. Zunächst machten wir Station bei einer Baumgruppe. Alle Bäume wirkten sehr erhaben gegen die Dunkelheit. Einer von ihnen hatte einen so dicken Stamm, dass wir ihn mit einem Kreis von  fünf  Personen, die sich an der Hand hielten, umfassen konnten. Auf dem See in der Nähe hatten die Schwimmvögel sich schon zur Ruhe begeben. Eine Wildgans zog noch ihre abendliche Bahn durch das ruhige Wasser, das in ein zauberhaftes Licht getaucht war. Der große Vollmond leuchtete über allem, und es herrschte eine mystische Atmosphäre.

Direkt über dem Vollmond prangte ein leuchtender, flimmernder Stern. Einige von uns dachten gleich an die Venus, den Liebesstern. 

Es war jedoch der Glücksstern Jupiter, wie später von Jutta Watzlawik zu erfahren war.  

Am Anfang des Spaziergangs hieß es, dass wir sicher 4 oder 5 Stunden unterwegs sein würden. Geglaubt hatte ich das nicht wirklich. Doch es war so eine tolle Stimmung, die ruhig so lange hätte weiter anhalten können, dachte ich. 

Fledermäuse umflogen uns, und die Natur pur schien nur für uns da zu sein. Da spielte es keine Rolle, dass wir teilweise glaubten, in der Nähe würde ein Open Air Festival stattfinden. Wahrscheinlich kam die Stimmungs- und Discomusik von der, in der Nähe liegenden, Jugendherberge. Aber all das, genau wie es war, passte zueinander. Wir konnten es alle genießen, denke ich. Bald fanden wir einen Platz, etwas abseits auf dem Rasen, auf dem wir, die Spaziergänger der Vollmondnacht, des 12.Juni 2006, wie die alten Schamanen auf die Naturgeister achten wollten.  

Wir setzten uns kreisförmig im Gras nieder, und ein Maikäfer kam geflogen und setzte sich laut brummend bei einer Kameradin auf die Jacke. War er etwa einer der Naturgeister? 

Jeder stellte eine Kerze vor sich und deren Licht flackerte während des Klanges der Trommel. Der Vollmond, mit dem Jupiter über ihm, leuchtete über allem. Nach ca. einer halben Stunde setzten wir unseren Weg fort. Auf einmal fühlten wir alle uns von vielen Augen beobachtet. Wer war das bloß? Wir starrten nach links in die Dunkelheit. Und da starrten uns ganz viele Augenpaare an. Es war das Damwild. Bestimmt zwanzig Tiere standen wie angewurzelt in Gruppen und sahen uns neugierig an. Wir blieben ganz ruhig stehen und bewunderten gebannt das Naturschauspiel, das vielleicht drei Minuten dauerte. Ich dachte noch, wie gut, dass die Tiere sich nicht einig sind, auf uns los zu galoppieren und uns umzuwerfen. Doch sie standen ganz friedlich, und wir alle sahen uns an. Da  plötzlich setzte ein Wildtier sich in Bewegung, und diesem einen folgten die anderen. In rasendem Galopp liefen sie weg von uns und in den nahen Wald hinein. Fasziniert von dieser Begegnung gingen wir weiter, und nach einer Weile schritten wir durch ein Tor. Es war gegen 23.00 Uhr, und der Vollmond hatte uns trotz der späten Stunde bisher viele lichte Momente präsentiert. Ab dem Bereich Quinnberg, auch Frauenberg genannt, am Beginn des Waldes war es plötzlich  stockdunkel. Von einer eigenartig gespannten Stimmung umgeben, traten wir in den dunklen Wald. 

Die Luft stand. Kein Blatt schien sich zu regen. Es war still um uns herum. Selbst die Discomusik aus der Ferne war verklungen. Wir schritten einen Hügel hinauf.  Die Bäume des Waldes, deren Schatten sich von der Dunkelheit abzeichneten, ragten neben uns wie starre Geister steil empor. Wir sprachen leise, denn wir wollten ja keine Tiere bei ihrer nächtlichen Ruhe stören. Nach einer ganzen Weile verließen wir den normalen Weg und gingen mitten in den Wald hinein. Jutta Watzlawik führte uns zu einem Schrein, mitten im Dickicht. Wir entdeckten dort einen wunderschönen großen Stein mit Ornamenten, der ca. 1 Meter Durchmesser hatte. Wir waren davon sehr beeindruckt. Jeder von uns zündete seine Kerze an, die wir auf diesem Stein abstellten. Es war ein schöner Moment, und wir genossen ihn und das Empfinden dort zu sein. Wir reichten uns die Hände, und als wir alle in einer Kette verbunden waren, sollten wir uns etwas wünschen. Die einen fassten ihren Wunsch in Gedanken, die anderen  kleideten ihn in Worte. Jutta Watzlawik sorgte dabei für Weihrauchduft, indem sie ein Zedernholz anzündete. Dieser Duft untermalte unsere phantastischen Stimmungen. 

Der Platz an dem Stein war so schön, und es war sehr warm dort, dass wir am liebsten noch etwas länger dort geblieben wären. Doch nach ca. einer halben Stunde hieß es: „Auf, auf, zum nächtlichen Picknick am Cappenberger Schloss.“ 

Nach einiger Zeit erreichten wir wieder den Waldweg und gingen zurück, um den Wald wieder zu verlassen. Nach einer Weile kamen wir wieder an dem Tor an. Als ob dieses Tor zwei Welten trennte, war es, nachdem wir es passiert hatten, wie  abgeschnitten, etwas heller. Der dunkle Wald hatte uns entlassen, und der Wildpark  leuchtete uns im Glanz des Vollmondlichtes entgegen. Obwohl der Vollmond  sich zeitweise hinter seinem Hof verbarg, war seine Leuchtkraft enorm ausdrucksstark.  Auf unserem weiteren Weg zum Schloss hin durchschritten wir verschiedene Temperaturströmungen. An manchen Stellen war es kühl, an anderen wiederum vollkommen warm.  Wir stiegen den Berg zum Schloss hinauf. 

Es war Mitternacht, als wir die Terrasse von Schloss Cappenberg erreicht hatten.  Jutta Watzlawik breitete eine schneeweiße Tischdecke zwischen zwei Säulen auf der Terrasse, am Rande der obersten Stufe, als Picknickdecke aus. Darauf legte jeder seine mitgebrachten Picknickgaben. Am Ende war der Tisch mit Rotwein, Tee und allerhand Leckereien gedeckt. Zum Picknick setzten wir uns ringsherum. Ich nahm auf der ersten, unter der Terrasse liegenden,  Stufe Platz. Es gab für mich den Anschein, im Mondschein vor einem gedeckten Tisch zu sitzen. Die Steine, auf denen wir saßen, hatten eine Wärme, als würden sie durch eine Fußbodenheizung erhitzt. Diese Wärme übertrug sich auf mich. Wir plauderten und genossen den Blick auf den vom Vollmondlicht verzauberten Rosengarten. Und über dem  Vollmond leuchtete sein Freund, der Jupiter. 

Eigentlich wären wir gerne noch länger sitzen geblieben, doch nach ungefähr einer halben Stunde hatten wir alles aufgegessen und leer getrunken. Da wir ja noch ein ganzes Stück Weg zum Ausgang zurückzulegen hatten, räumten wir zusammen und brachen allmählich auf. Unser Weg führte uns die Wege zurück, die wir auch hingekommen waren. Der Wildpark- Teich lag jetzt vollkommenen im Dunkeln, und nichts bewegte sich mehr auf der Wasseroberfläche. Unsere Gruppe versammelte sich noch einmal um den alten Baum.  Hand in Hand  bildeten wir einen Kreis um ihn, und zum Abschluss unserer gelungenen Vollmondnacht- Wanderung meditierten wir noch mal. Dann gingen wir langsam in Richtung Tor und verließen zögerlich diese traumhafte Umgebung mit ihrer tollen Atmosphäre, den Wildpark Cappenberg. In ihm waren uns so viele Wunder begegnet. 

Insgesamt möchte ich sagen: Der Regen war Gott sei Dank ausgeblieben, so dass nichts diese schöne Wanderung störend beeinträchtigen konnte. Es war ein wunderschönes Erlebnis, das ich wohl niemals vergessen werde.

Ganz stolz bin ich auf das Erinnerungsfoto vom Vollmond des 12. Juni 2006. Jupiter, der über ihm thronte ist auf diesem Bild jedoch nicht zu erkennen, weil Die Herausforderung, ihn aus der Entfernung einzufangen, für mein Handy zu groß war. 

 


 

Beitrag von Monika Coenen zum Thema "Bienen". Juni 2006.

 Foto Colin Andrews

 

Kommt der Frühling nur mit einer Blume? Nein, er kommt mit vielen Millionen von Blumen. Dann kommen die Bienen und all diese große Bewegung in der Natur beginnt. Und damit entsteht eine Gesamtheit.
(Meister Béinsa Duno)


In diesem kühlen Frühjahr haben sie es besonders schwer, die Bienen, oder der Bien, wie das Wesen der Biene als Organismus in der Imkerschaft genannt wird. Wer ihnen helfen mag, schaue hier

Man hat beobachtet, wie die Intelligenz der Bienen wirkt, hat den Bienen Zucker statt Honig hingeworfen. Dann hat man sie beobachtet. Sie können den Zucker nicht mitnehmen. Sie holen andere Bienen, fliegen zuerst nach einer Wasserquelle, und jedes Bienchen bringt einen Wassertropfen mit und durchtränkt den Zucker damit und verwandelt ihn in eine Art von Sirup. Diesen trägt es dann in den Bienenstock. Der Geist des Bienenstocks steht hinter dieser Arbeit der Bienen. Die einzelnen Bienen gehören zu einer einzigen Bienenpersönlichkeit, wie unsere Glieder zu uns gehören. Nur daß die einzelnen Bienen mehr getrennt sind, und unsere einzelnen Glieder näher zusammen, kompakter sind. Wir gehen, für uns unsichtbar, überall auch durch Wesen hindurch, durch die tierischen Gruppen-Iche, die sich der physischen Beobachtung entziehen.

Als Antwort auf die Frage, was denn nun Anthroposophie sei, hat Rudolf Steiner im Rahmen seiner von 1922 bis 1924 über hundert Vorträge, gehalten für die Arbeiter beim Bau des Goetheanums, während der Arbeitszeit übrigens, ganze acht dem "Wesen der Biene" gewidmet.
Er nahm dabei Bezug auf die vorangegangenen Arbeitervorträge, in denen er sein Verständnis der Evolution und anderer Ergebnisse aus seiner Geisteswissenschaft entwickelt hatte. Ausführlich ist das "Wesenhafte" in dem Vortrag: "Natur- und Geistwesen. Ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt" von 1908 beschrieben:

"Nehmen wir ein groteskes Beispiel: Wer glaubt an Wesenheiten, deren Dasein an die Luft gebunden ist oder die im Wasser verkörpert sind? Wenn zum Beispiel jemand sagt: Unsere Vorfahren haben an gewisse Wesenheiten geglaubt, an Gnomen, Undinen, Sylphen, Salamander, aber das ist alles phantastisches Zeug! - dann möchte man erwidern: Fragt einmal die Bienen. — Und könnten die Bienen reden, so würden sie antworten: Für uns sind die Sylphen kein Aberglaube, denn wir wissen ganz gut, was wir von den Sylphen haben! - Und derjenige, dessen geistige Augen geöffnet sind, kann verfolgen, welche Kraft es ist, die das Bienlem hinzieht zur Blume. «Instinkt, Naturtrieb», wie der Mensch antwortet, sind leere Worte. Wesenheiten sind es, welche die Bienen hinleiten zum Blütenkelch, um sich dort Nahrung zu suchen, und im ganzen Bienenschwarm, der nach Nahrung ausschwärmt, sind Wesenheiten tätig, die unsere Vorfahren Sylphen nannten. Überall da, wo verschiedene Naturreiche sich berühren, wird eine Gelegenheit geboten, daß sich gewisse Wesenheiten offenbaren. Zum Beispiel im Innern der Erde, da, wo sich der Stein mit der Metallader berührt, da setzen sich besondere Wesenheiten an. An der Quelle, wo das Moos den Stein bedeckt und somit das Pflanzenreich das Mineralreich berührt, setzen sich solche Wesenheiten fest. Wo Tier und Pflanze sich berühren, im Blumenkelch, bei der Berührung der Biene mit der Blüte, da verkörpern sich bestimmte Wesenheiten, ebenso da, wo der Mensch sich mit dem Tierreiche berührt. Nicht im gewöhnlichen Verlauf der Berührung ist das der Fall. Wenn zum Beispiel der Fleischer das Rind schlachtet, oder wenn der Mensch das Fleisch der Tiere isst, nicht im normalen Verlauf des Lebens, da ist so etwas nicht der Fall. Aber wo im außernormalen Verlauf, wie bei Bienen und Blume, sich wie durch einen Überschuss von Leben die Reiche berühren, da verkörpern sich Wesenheiten. Und insbesondere da, wo des Menschen Gemüt, sein Intellekt, im Umgang mit den Tieren besonders engagiert ist, bei einem Verhältnis, wie es zum Beispiel der Schäfer zu den Schafen hat, ein Gemütsverhältnis, da verkörpern sich solche Wesenheiten.

Solche intimere Verhältnisse des Menschen zum Tiere finden wir häufiger, wenn wir zurückgehen, in alten Zeiten. In Zeiten niederer Kulturen hatte man vielfach solch ein Verhältnis, wie es der Araber zu seinem Pferde hat, nicht wie ein Rennstallbesitzer zu seinen Pferden. Da finden wir jene Gemütskräfte, die hinüberspielen von Reich zu Reich, wie zwischen dem Schäfer und den Lämmern. Oder wo Geruchs- und Geschmackskräfte entwickelt werden und hinüberstrahlen, wie zwischen der Biene und der Blume, da wird Gelegenheit geschaffen, daß sich ganz gewisse Wesenheiten verkörpern können. Wenn die Biene an der Blume saugt, dann kann der Hellseher beobachten, wie sich am Rande der Blüte eine kleine Aura bildet. Das ist die Wirkung des Geschmackes: der Stich der Biene in den Blütenkelch ist ein gewisses Geschmacksmittel geworden, die Biene empfindet den Geschmack und strahlt aus wie eine Blütenaura, und die ist Nahrung für sylphenhafte Wesenheiten. Ebenso ist das Gefühlselement, das zwischen Schäfer und Schafen spielt, Nahrung für Salamander."


Beitrag von Monika Coenen zum Thema "Schafe". Juni 2006.

Jutta mit ihrer Herde und Luchsi, Troll und Wichtel. Foto Monika Coenen

 

"Alles, was ist, ist ein Gedanke", sagte Johannes Wanderer, „und alle Gedanken reden und bilden sich Gestalten im Stoff, gute und böse. Es ist um Pfingsten, Veronika, und der Geist ist stärker in allem Leben als sonst. Darum merkst du es deutlicher, was die Bäume flüstern und die Blumen in ihren Kelchen bergen. Auch die Tiere ahnen die Feiertage der Welt. Siehst du nicht auch, daß Magister Mützchens roter Hut besonders leuchtet und daß Mutzeputz und Zottel froher sind als im Alltag?"
Wahrhaftig, Magister Mützchens Hut glänzte auffallend in der Sonne. Mützchen stelzte vorsichtig und gravitätisch an einem Radieschenbeet vorbei, und es kam Veronika vor, als wenn die Radieschen über ihn lachten.
„Ärgere dich nicht, Mützchen", rief sie ihm zu, „die Radieschen sind immer ein bißchen vorlaut und bissig."
Magister Mützchen tat, als berühre ihn das alles gar nicht. Was gingen ihn die Radieschen an? Dazu war er viel zu großartig."
(aus: Manfred Kyber - "Die drei Lichter der kleinen Veronika")



Gegenüber den Radieschen ist das Schaf als sanft und mitfühlend bekannt. Weiter weiß die chinesische Astrologie: es vergibt leicht und hat Verständnis für die Fehler anderer. Das zahme Äußere des Schafes täuscht über seine innere Entschlossenheit hinweg. Wenn bedroht, kann es leidenschaftlich und beherzt reagieren, obwohl ihm Streit zuwider ist. Die Chinesen glauben, dass dem Schaf das Glück lacht, weil es ein gutes und reines Herz hat.
In der chinesischen Mythologie entstanden Himmel und Erde aus einem Wirbel von eiförmiger Gestalt, in dessen Mitte sich "Pan Gu", ein menschenähnliches Wesen formte.

Ob "Pan Gu" mit dem griechischen Hirtengott "Pan" außer der Namensgleichheit Gemeinsamkeiten hatte, ist mir nicht bekannt. Dieser jedenfalls ist Schutzpatron der Hirten und Herden, dem Steinbock" zugeordnet, und auch der Gott des Waldes und der Weiden.
Unter verschiedenen Gesichtspunkten hat Rudolf Steiner immer wieder über die physischen, seelischen und geistigen Zusammenhänge des Menschen mit den verschiedenen Naturreichen aber auch mit übersinnlichen Wesenheiten und Welten gesprochen, die in alten Zeiten des instinktiven menschlichen Wahrnehmens auch gewusst wurden aber vergessen sind, weshalb sie heute nur noch Namen darstellen. Den "Erdgeist", von dem Steiner spricht, nennt der Geomant Marco Pogacnik beim Namen, nämlich Pan. Die Systematik der Hierarchien (Steiner) bzw. der Entfaltungsebenen (Pogacnik) ist beinahe identisch. Danach verkörpert Pan "die oberste Instanz unter den Wesen des Erdelements, zuständig für die Gesamtheit des Naturlebens in einem, bestimmten Bereich, erfüllt durch stilles Bewusst-Sein der Lebensprozesse die Natur in seinem Bereich mit dem Sinn ihres Seins, ist an jedem Platz und in jedem Bruchteil der Landschaft anwesend" und hilft u.a. den Schafen bei der Erfüllung ihrer "kosmischen Aufgabe", dort, "wo verschiedene Naturreiche sich berühren".

Nach den Erfahrungen der Geomantin Jutta Watzlawik: "(..) scheint es die Eigenschaft einer Schafherde zu sein, die Aura des landwirtschaftlichen Betriebs, der sie zugehörig ist, auszudehnen. Die horizontal verlaufenden feinstofflichen Kraftströme werden durch die Schafe angeregt, so dass insgesamt ein regerer Austausch zwischen den Pflanzen auf einem Feld, aber auch zwischen den Feldern stattfindet. Die Pflanzen werden „wacher“, sind angeregt, und dieser Zustand ist jeweils als beschwingte Lebendigkeit für einige Tage wahrnehmbar."

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es z.B. auch noch üblich, Baugrundstücke eingehend geomantisch zu untersuchen. Man schaute nach „Zeigerpflanzen“, die Auskunft über das energetische Niveau des Grundstücks geben konnten, und betrachtete die Wuchsform der Bäume. Auch ließ man Kühe oder Schafe auf dem Baugelände weiden, um dort, wo die Tiere lagerten, einen für Menschen geeigneten Platz zu finden.
"Wie reizvoll es ist, eine gesättigte Herde, hingelagert auf der Weide, zu betrachten, dieses Geschäft des Verdauens zu beobachten, das sich in der Lage wiederum, in dem Augenausdruck, in jeder Bewegung ausdrückt“ schreibt Steiner, "es ist ganz Verdauung, das Tier“.
Wenn die Tiere satt sind, eins nach dem anderen sich ablegt, einmal hoch schluckt, die Augen leicht verdreht, in einen leichten Dämmerzustand fällt; wenn das beruhigende, malmende Geschmatze aus hunderten von Mäulern zu einem Klang erwacht, wird das Wesenhafte der Herde zur Präsenz eines derart sonst selten erlebbaren Friedens.

Aufgrund seiner vielseitigen Nützlichkeit war das Schaf Inbegriff des Lebens. Es gab Speise und Trank, Kleidung, ermöglicht die Herstellung von Horn- und Saiteninstrumenten, "garantiert" als Opfertier gute Beziehungen zur Gottheit und brachte Vergebung und Heil und Trost.
Heute sind Wolle und Fleisch die zwei Hauptprodukte. Der Sekundäreffekt, die Landschaftspflege, rückt aber immer mehr in den Vordergrund. Viele Hauptweideflächen sind Biotope. Seit dem Aussterben der kleinen Dorfschäfereien liegen seit Jahren kleinere Schafweiden brach. Diese Flächen verbuschen und verwildern. Der Erhalt und die Pflege dieser Flächen mit ihrer typischen Flora und Fauna ist auch heute auf ökologische und kostengünstige Weise nur mit Schafen und auch mitgeführter Ziegen, die Holziges besonders gerne naschen, möglich. Wobei nicht selten gerade in Naturschutzgebieten und gerade von besonders naturliebenden Wanderern die Empörung und Klage über die aufgefressene unter Naturschutz stehende, höchst seltene Orchidee oft groß ist und es einiger geduldiger Erklärungen bedarf, dass gerade dadurch, durch den Schutz vor Verbuschung der Bestand der kostbaren Pflanze geschützt wird, auch wenn ein paar Blüten gerade mal so besonders gut geschmeckt haben….